Wie werden Corona-Patienten operiert?

28. August 2020

Auch in der Schlossklinik Werneck gibt es Unfälle und Verletzungen bei Patienten mit aktiver Corona-Infektion, die selbstverständlich versorgt werden müssen. Läuft eine OP bei Corona-Patienten anders ab? Und worauf muss besonders geachtet werden?

Im Zweifel OP ohne Testergebnis

Das Schwierige ist die zeitgerechte Diagnose. Bei einigen Patienten lagen auch Symptome vor, die auf Corona hingedeutet haben. Im Zweifelsfall haben wir die Patienten jedoch auch ohne vorliegendes Testergebnis operiert – dann aber mit maximalen Vorsichtsmaßnahmen.

Hygienemaßnahmen nochmal verstärkt

Die Patientenaufnahme und speziell die Röntgenuntersuchung wird bei Corona-Patienten abgekürzt. Direkt hinter dem Patienten werden die betretenen Räume von einem Reinigungsteam wieder desinfiziert. Der Transport des Patienten in den OP wird von speziell geschulten Schwestern in Schutzausrüstung durchgeführt. Im OP-Zentrum ist einer der vier Haupt-OPs zum Infektionsoperationssaal aufgerüstet worden. Nach Betreten kommt man nicht mehr ohne Weiteres hinaus. Für die Behandlung von Corona-Patienten wird die Klimatechnik auf Unterdrucklüftung umgestellt, um die Viren abzusaugen.

Vorzugsweise Teilnarkose

Die Operation selbst erfolgt vorzugsweise in Teilnarkose, um Risiken bei der Narkoseeinleitung zu minimieren. Zum Astronautenhelm-System oder Spritzschutzmasken werden zusätzlich noch FFP2-Masken getragen. Insbesondere bei einer lang dauernden, schwierigen Operation ist der höhere Atemwiderstand bei diesem Masken-Typ durchaus anstrengend. Die Operation selbst ist eigentlich nicht anders als sonst. Das Arbeiten in steriler Umgebung ist man gewohnt und durch die Konzentration bei der Arbeit wird Corona einfach ausgeblendet. Zum Ende der OP wird es noch einmal spannend. Der Patient wird wieder von einem speziellen Team übernommen und auf ein Isolierzimmer gebracht. Die Betreuung des Patienten erfolgt dauerhaft in Schutzausrüstung. Im Operationssaal gibt es noch einige Nacharbeiten. Vor Verlassen des OP-Saals werden Schuhe und Unterkittel gewechselt. Der OP-Abfall wird als Infektionsabfall in speziellen Tonnen gesammelt, die anschließend verbrannt werden. Der Operationssaal wird speziell desinfiziert und über mindestens vier Stunden ruhen gelassen.

Fazit: Kein besonderes Risiko für OP-Team

Hat die OP erst einmal begonnen, ist mit Ausnahme des erschwerten Atmens durch die FFP2-Maske eigentlich alles wie immer. Der Schlüssel zum Erfolg sind Vorbereitung und Erfahrung. Für ein geübtes, aufeinander eingespieltes OP-Team stellt die Behandlung von Corona-Patienten kein besonderes Risiko dar.