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Wie wird sich das Gesundheitswesen durch Corona verändern?

28. September 2020

Ein Virus, dessen Namen wir Anfang 2020 kaum richtig aussprechen konnten, legt unsere Gesellschaft und vor allem unser Gesundheitswesen lahm. Tatsächlich wird sich die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen ändern. Während wir in der Schlossklinik Werneck Nachholeffekte bei aufgeschobenen Operationen sehen, erleben viele Praxen vor allem deutlich gesunkene Inanspruchnahmen. Trotz großzügiger Schutzschirme wird es zu erheblichen finanziellen Verlusten für Krankenhäuser und Praxen kommen. Eine Pleitewelle von kleineren Klinken ist zu befürchten, wenn sich das Bekenntnis der Politik zur Medizin als bloßes Lückenbekenntnis erweist.

Kontaktbeschränkung wird erhalten bleiben

Auch die Arbeit im Krankenhaus wird sich verändern. Durch die dauerhafte Notwendigkeit der Kontaktreduktion haben neue Angebote wie die Video-Sprechstunde oder ein strenges Wartezeitenmanagement bei Sprechstundenterminen auch positive Aspekte. Andererseits bleibt es erforderlich, den Kontakt der Patienten in stationärer Behandlung zu minimieren. Besuchsverbote oder feste Besuchszeiten mit registrierten Angehörigen werden dauerhaft erhalten bleiben. Auf Begleitpersonen während der Sprechstunde muss verzichtet werden. Angesichts der kürzeren Verweildauer von beispielsweise 3 postoperativen Tagen bei einer Hüft- oder Knieendoprothese ist dies wahrscheinlich auch dauerhaft zu verschmerzen. 

Eine engere Verzahnung mit der Reha ist erforderlich, da die Rehakliniken auf eine Direktübernahme oder einen aktuellen Nasen-Rachen-Abstrich bestehen.

Mund-Nasen-Schutz

An den Anblick von Krankenhauspersonal mit Mund-Nasen-Schutz wird man sich gewöhnen müssen. Das Robert-Koch-Institut und die Weltgesundheitsorganisation halten den Mund-Schutz auf jeden Fall für geeignet, um den Hustenstoß von Patienten abzuschwächen. Ein weiterer Effekt des Mund-Nasen-Schutzes mag auch ein besseres Bewusstsein für die Distanz zwischen Klinikpersonal und Patienten sein.

Kostensteigerung im Gesundheitswesen durch Corona-Tests

Durch die Testmöglichkeiten, sowohl der Virusnachweis aus dem Nasen-Rachen-Abstrich, als auch durch die Antikörper aus dem Blut des Patienten, bestehen glücklicherweise bessere Möglichkeiten, das Virus sichtbar zu machen. Die Frage der Kostenübernahme für die Testung wird ein dauerhafter Streitpunkt mit den Krankenkassen sein. Dass durch die notwendige Testung in der Breite auch erhebliche Kostensteigerungen im Gesundheitswesen zu erwarten sind, liegt auf der Hand.

Umdenken bei Krankenhausplanung

Es besteht zumindest Hoffnung auf ein dauerhaftes Umdenken der Gesundheitspolitik bezüglich der Krankenhausplanung. In der Krise hat sich gezeigt, dass eine Versorgung der Fläche notwendig bleibt. Krankenhäuser sind eben nicht nur unzureichend ausgelastete Kostenfaktoren. Das Vorhalten von ausreichenden Krankenhauskapazitäten ist essenzielle Daseinsfürsorge. 

Hygiene allgemein

Neben einem bewussteren Umgang mit der Ressource Gesundheitsversorgung bleibt auf eine tatsächliche „Wertschätzung“ für das Personal im Krankenhaus zu warten. Hygiene allgemein und insbesondere im Krankenhaus wird in der Gesellschaft einen höheren Stellenwert erhalten. Als Krankenhaushygieniker hoffe ich natürlich, dass dieser Effekt etwas länger anhält. Mein Rat: Suchen Sie für Ihre Operation nach einem Krankenhaus mit einem überzeugenden Corona-Konzept.