Gelenk-Arthrose: Biologische Heilverfahren und BCT-HA®

11. April 2018

Gelenk-Arthrose: Biologische Heilverfahren und BCT-HA®

2007 sagte jemand zu mir: „Sie haben doch früher mit Stammzellen gearbeitet – ich habe etwas für Sie“. Tatsächlich hatte er etwas für mich: Eine Zentrifuge, die man im Operationssaal aufstellen und Knochenmark des Patienten während der Operation anreichern kann. Nach 15 Minuten erhält man eine kleine Spritze, in der sich körpereigene Vorläuferzellen befinden, die wir damals vielleicht etwas hochtrabend „Stammzellen“ genannt haben. Mit dieser Technik erhalten wir tolle Ergebnisse. Häufig können wir zum Beispiel eine Knochenheilung bewirken, wo sie eigentlich nicht unbedingt zu erwarten war. Zuletzt konnten wir mit diesen Zellen auch Knorpelschäden wieder aufbauen. Im Jahr 2017 mussten wir diese Behandlungen zunächst aussetzen, weil nach Ansicht der Behörden in Zukunft eine spezielle Arzneimittelzulassung notwendig ist.

Arthrose-Behandlung mit Blutplasma

Durch diese positiven Erfahrungen ermutigt, begannen wir 2007 auch  das Plättchenreiche Plasma (PRP) anzuwenden. Dabei wurde dieselbe Zentrifuge eingesetzt, in diesem Fall jedoch nicht mit Knochenmark, sondern mit Blut. Die Funktion müssen Sie sich so vorstellen: Wenn Sie sich in den Finger schneiden, dichten zunächst die Blutplättchen die Wunde ab. Die Blutplättchen haben Botenstoffe gespeichert, die die weitere Wundheilung in Gang setzen und steuern. Mein erster Patient hatte ein offenes Bein, das seit zwei Jahren nicht geheilt war. Nach einem Auftrag mit dem Plättchen-reichen Plasma heilte es ab.

Plättchen-reiches Plasma wirkt besonders an Bändern, Sehnen und bei Muskelverletzungen

Eine solche Anekdote ist natürlich kein Beweis. In der Folge haben wir das Plättchenreiche Plasma an unzähligen Patienten angewendet, insbesondere an Bändern, Sehnen, auch bei Muskelverletzungen hat es segensreiche Wirkungen entfaltet. Insbesondere vielen Sportlern haben wir helfen können. Unser berühmtester Patient war der Nationalspieler Karim Bellarabi, der es selber in der Sport-Bild ausführlich dargestellt hat:  „Es war meine letzte Chance“.

Sowohl mit den Stammzellen als auch mit dem Plättchenreichen Plasma waren wir neben anderen Kollegen Pioniere in Deutschland. Insbesondere das Plättchenreiche Plasma hat sich auch bei den niedergelassenen Orthopäden schnell verbreitet. Hier werden allerdings meistens niedriger dosierte Präparate eingesetzt. Auch an Gelenken kann man das PRP günstig einsetzen.

Behandlung bei Hexenschuss

Mein Geheimtipp ist die Anwendung am Iliosakralgelenk. Die meisten Hexenschüsse lassen sich mit ein bis zwei Spritzen beherrschen (man braucht neben etwas Erfahrung allerdings immer eine Durchleuchtung, um auch sicher zu treffen). Bei so viel Licht gibt es natürlich auch Schatten. Es handelt sich um eine Injektionstherapie, die die ersten ein bis zwei Tage durchaus auch Schmerzen bereiten kann, vor allem können wir niemals eine Garantie geben. Denkbar sind immer Infektionen, die am Gelenk mit 1:25.000 Fällen angegeben werden. Vor allen Dingen ist das PRP eine finanzielle Belastung, denn die Krankenkassen weigern sich hartnäckig, die Kosten zu übernehmen.

Biologische Heilverfahren mit BCT-HA®

Vorläufiger Höhepunkt der biologischen Heilverfahren ist nun das BCT-HA®. Arthrose haben wir auch früher schon mit Plättchen-reichem Plasma mit überraschendem Effekt behandelt. Letztlich hat es aber nur für drei Wochen geholfen. Seit einigen Jahren kann man PRP auch zusammen mit der Hyaluronsäure in einer Spritze anwenden (im Übrigen wird es auch in der Plastischen Chirurgie für Falten angewendet). Fünf Milliliter Blut werden direkt in das Röhrchen mit der Hyaluronsäure abgenommen. Nach fünf Minuten liegt in dieser Spritze ein Gemisch aus Plättchen-reichem Plasma und Hyaluronsäure vor, das sehr angenehm für den Patienten, mit der dünnsten Nadel gespritzt werden kann. Das größte Risiko ist der Misserfolg. Die Prognose für den Patienten versuche ich anhand des Röntgenbildes abzuschätzen. Bei umfassend erhaltenem Gelenkspalt gebe ich eine 80 Prozent Erfolgschance an, dass der Patient eine positive Wirkung wahrnimmt. Bei vollständigem Knorpelverlust sinkt diese Wahrscheinlichkeit auf 20 Prozent. Neben dem finanziellen Risiko und dem Misserfolg besteht wiederum das Infektionsrisiko mit 1:25.000. Das Allergierisiko halte ich für vernachlässigbar.

Wenn die Spritze hilft, zeigt sich dies meistens innerhalb der ersten Woche, bei einer kleineren Gruppe von Patienten braucht die Spritze drei Wochen zur Wirkung. Einen Hauptvorteil sehe ich darin, dass zunächst nur eine einzige Spritze notwendig ist. Nur wenn eine positive Wirkung zu verzeichnen ist, kann man nach sechs Wochen und sechs Monaten noch einmal nachspritzen. Ich habe aber auch Patienten, die nur einmal pro Jahr kommen.

Wer ist geeignet für eine Gelenkbehandlung mit BCT-HA®?

Ideal sind wie gesagt Patienten mit noch erhaltenem Gelenkspalt. Daneben habe ich auch Patienten, die vor einer Operation alles andere probieren möchten oder vielleicht auch nur „einen schönen Sommer“ haben wollen. Zuletzt habe ich einige Patienten, die über 85 Jahre alt sind oder ein zu hohes Operationsrisiko haben. Für diese Patienten ist dann BCT-HA® unter Umständen auch bei schlechten Erfolgsaussichten noch eine letzte Hoffnung. Einen schönen Beitrag über diese Injektionstherapie findet man in der Mediathek des SWR. Einige Patienten kommen nun schon im vierten Jahr ohne OP zu ihrer jährlichen Spritze.